Fotoabzug = Monitorbild, wie?

Vielleicht ist es dem ein oder anderen von euch auch schon mal so ergangen. Ihr habt eure Daten super bearbeitet, richtig viel Zeit investiert zu letzt natürlich noch die richtige Größe der Bilder eingestellt (damit die Standard Fotoformate verwendet werden können). Voller Erwartung die Daten nun ans Labor gegeben und das Resultat – die Abzüge sehen völlig anders aus, als am Monitor!? Mir selbst ist das schon passiert und mir passiert es oft in der Arbeit, dass Kunde mich auf dieses Problem ansprechen. Nun auch deshalb hier dieser Artikel woran liegt das? Ich versuche euch mögliche Gründe zu nennen, aber hier steckt der Teufel im Detail ;) Verschiedene Faktoren spielen hier ihre jeweilige (wichtige) Rolle. Es ist entscheidend, dass ihr euch euren persönlichen Arbeitsablauf schafft, der dann verlässliche Ergebnisse liefert.
Faktor 1: Der Monitor
Inzwischen haben die meisten ein LCD diese Displays sind grundsätzlich sehr hell und kontrastreich, dass kann das Papier nicht leisten, ihm fehlt schlicht die Leutchkraft. Da man das Papier nicht verändern kann muss man (das geht immer) seinen Monitor “ändern” (kallibrieren). Wer ein wenig Geld ausgeben möchte ist mit einem “Colorimeter” sicher gut  bedient! Ich persönlich kenne den X-rite i1 (von meiner Arbeit) und den Spider 2 express (besitze ich privat). Der Spider2express ist nicht überragend, aber je nach genutzter Software , liefert er gute Dienste. Er ist vor allem für Einsteiger interessant, denn er kostet verhältnismäßig wenig (ca. 70€). Mit Hilfe dessen kann man seinen Monitor kalibrieren = auf eine Norm einstellen. In der Theorie sollte allein das dazu führen, dass man konstante Bildergebnisse hat, sprich das Papierbild immer dem Monitorbild gleicht. Aber dem ist nahezu nie so (ohne weiteres). Schaden tut es aber sicher auch nicht.
Wer sich kein Gerät zum Kallibrieren kaufen möchte, kann an seinem Monitor aber dennoch den Kontrast und die Helligkeit abstimmen und das nutz auch schon sehr viel! Hierzu gibt es verschiedene Seiten/Dateien im Netz. Im Einzelfall empfehle ich euch eine sog. Referenzdatei und den dazugehörigen Abzug in eurem Labor anzufordern (sollte jedes Fotofachlabor griffbereit haben).

Faktor 2: Das Farbprofil

Was viele nicht wissen und so häufig zu unerwünschten Ergebnissen führt ist: AdobeRGB ist für belichtete Fotos Gift. Es ist aber der Standardfarbraum der von Photoshop genutzt wird, die meisten Anwender stellen diese Voreinstellungen auch nie um. Es ist möglich sich von Photoshop warnen zu lassen, wenn man ein Bild in einem anderen Farbraum öffnen möchte. Hierzu muss man aber den Standardarbeitsfarbraum auf sRGB umstellen.

Wer mit RAW-Dateien arbeitet hat aber nahezu immer das AdobeRGB in seinen späteren, entwickelten Dateien. Es wird vom sog. RAW-Converter eingebettet, wenn man es nicht (einmalig) umstellt. Hat man seinen Arbeitsfarbraum umgestellt, sollte man dann aber auch eine Warnung bekommen. Wer lieber gleich im RAW-Converter umstellen möchte, der muss einfach auf die Schrift unter dem Bild klicken und auf sRGB umstellen.

Screenshot-RAW-Converter Screenshot-RAW-Converter-srgb

Wie sieht denn das falsche Profil aus?

Vor allem Hauttöne sehen bei AdobeRGB matschig aus. Insgesamt sehen die so falsch profilierten Bilder immer aus als läge ein Grauschleicher auf den Bildern. Es kann aber auch zu Helligkeits/Kontrastverschiebungen kommen die nicht kontrollierbar sind.

Ich habe euch mal versucht den Vergleich mit dem “richtigen” sRGB und dem “falschen” AdobeRGB in einem Bild zu zeigen, beim Anklicken wird es groß. Links seht ihr das selbe Bild, als sRGB profiliert und mit entsprechendem Einstellungsdialog zum konvertieren in ein Profil. Und rechts seht ihr das Bild wenn man zur Ansicht mal AdobeRGB anwählt (im Screenshot schon wieder auf sRGB umgestellt, nur so sieht man wie es aussehen würde). Man sieht sofort wie matschig und farblos das Bild später als Fotoabzug aussehen würde. Vor allem die Hauttöne, aber auch das grüne Gras sieht sehr bescheiden aus. Bei der Aktion Profil zuweisen passiert mit der Datei rein gar nichts es dient lediglich zum Anschauen der Datei, wenn sie falsch profiliert ist. Deswegen ist es wichtig wirklich über Datei/in Profil umwandeln das entsprechende Profil je nach geeigneter Methode, in die Datei zu integrieren.

Links sRGB, rechts AdobeRGB

Bei allen anderen RGB-Profilen sind die Abweichungen kaum zu sehen und eine Umwandlung ist nicht zwingend erforderlich. Das es zu diesen Verschiebungen kommt liegt daran das der sRGB-Farbraum im Vergleich zum AdobeRGB wesentlich kleiner ist, zu sehen in dem Bild (das Gittermodell ist AdobeRGB, das bunte sRGB):

Wie ihr unschwer erkennen könnt fehlen dem sRGB-Profil deutliche Bereiche. Diese Farbabstufungen werden neu verrechnet, denn die AdobeRGB Datei liefert mehr Farbabstufungen als der Fotobelichter darstellen kann. In den meisten Fällen wird dann die Datei absolut farbmetrisch “konvertiert” das heißt alle darstellbaren Farbabstufungen bleiben erhalten so wie sie sind, also an selber Stelle, alle nicht darstellbaren fallen einfach weg. Wenn ihr aber in sRGB umwandelt könnt ihr auch die Option relativ Farbmetrisch/perseptiv (Standardeinstellung in PS) wählen und das hat zur Folge, das die nicht darstellbaren Farbabstufungen möglichst optimal neu verteilt werden. Das Ergebnis lässt sich dann meistens optisch nicht unterscheiden. Wie auch immer: in sRGB umwandeln hilft immer =) !

Wer Lust hat sich verschiedene Profile im Vergleich als 3-D Modelle anzuschauen, dem kann ich diese Seite empfehlenhttp://www.iccview.de/content/view/3/7/lang,de/ ihr benötigt allerdings ein Plugin um die 3-D Modelle auch zusehen: http://www.iccview.de/content/view/1/5/lang,de/

Habt ihr diese beiden Faktoren berücksichtigt sollten die Ergebnisse also euer Arbeitsablauf gut abgestimmt sein. Und diese Unterschiede des Bildes im vergleich zur Monitordarstellung sollten nicht mehr oder nur noch gering auftauchen. Trotz der guten Technik die man nutzen kann verlasse ich mich aber nach wie vor auf mein Auge – es bleibt nun mal das beste was wir haben! Letztlich kann technisch alles einwandfrei sein und der Abzug gefällt einem dennoch nicht, da hilft nur das Abstimmen auf die Dateien, einen Testabzug machen, mit nach Hause nehmen und dann die Datei auf den Abzug einstellen, den Rest der Serie dann dementsprechend bearbeiten. Ich hoffe dieser Überblick hier verhilft so manchem zu zufriedenstellenderen Bildergebnissen zukommen.

 



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  1. Chemisches Foto vs. Thermodruck - [...] aber dann liegt es eher an einem falschen Arbeitsablauf. Denn für die Fotobelichter gibt es Profile die man seinen…

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